Aktuelle Impulse - Thorheiten

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Aktuelle Impulse

Texte > Berichte > Counceling Conference 2018

Arsch hoch & Haltung finden und/oder bewahren!

Einige Impulse des Counselling Congress Cologne (CCC) vom 22. bis 24.11.2018
an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln

Die diesjährige Beratungs-Konferenz an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln fand unter dem Motto „Ressourcen-Orientierung und Peer Support“ statt. Dieser thematische Fokus war offenbar angesichts der Erkenntnis gewählt worden, dass der Bedarf an „Counselling“ deutlich höher ist (und weiter steigt), als professionelle HelferInnen oder Hilfssysteme in absehbarer Zeit zur Verfügung stehen. In rund einem Drittel der Länder weltweit gibt es zudem keine staatliche Gesundheitsfürsorge, welche eine Behandlung psychischer Erkrankungen und Nöte auch nur theoretisch organisiert.
Mehrere Referenten weisen auf gravierende seelische Nöte von hunderten Millionen Menschen weltweit hin. Dabei stützen sie sich auf aktuelle Studien der WHO, die u.a. prognostizieren, dass Depression anno 2020 die häufigste psychische Erkrankung von Kindern darstellen wird. Der irische Gesundheitsexperte Naoise Kelly, Geschäftsführer der International Association for Counselling (IAC), stellt in Anlehnung an WHO-Studien skizzenhaft dar, dass aktuell ein Fünftel der Menschheit psychische Erkrankungen erlebt, und dass diese seelischen Leiden wiederum andere Probleme begünstigen. Unter den 15- bis 29jährigen ist Suizid die zweithäufigste Todesursache.
Angesichts solcher Herausforderungen mag es kaum überraschen, dass die Frage, wie sich Menschen – auch ohne Unterstützung durch Fachleute – gegenseitig helfen und in Form von „Peer Support“ ihre eigenen Ressourcen aktivieren können. „Counselling“ wird somit als „Beratung“ im weiteren Sinne verstanden.
Auf der CCC werden Entwicklungen und Ansätze präsentiert, die sich mitunter auf den ersten Blick zu widersprechen scheinen. So reflektiert ein Dozent das „rasche globale Wachstum von Beratungsangeboten“, während in verschiedenen Vorträgen Ideen von „lösungsabstinenten“ Methoden der Beratenden, oder sogar von „Berater-Abstinenz“ auftauchen. Letztlich scheinen sie jedoch in ihrer Vielfalt den erheblichen Bedarf an Beratung zu spiegeln, und insbesondere die Nöte von Menschen, für die eine professionelle Beratung aufgrund ökonomischer und struktureller Faktoren kaum verfügbar ist.


Anspruch: Praxis-Orientierung auf Augenhöhe statt abgehobener Besserwisserei

Während wenige Vorträge mit bieder dargebotener Statistik oder theoretischer Begriffsdiskussion kaum bewegen, sind die meisten Beiträge pragmatisch orientiert. Mehrere Dozenten wollen sich Seitenhiebe auf – zu intellektuelle? – psychologische Theorien und Methoden offenbar nicht verkneifen. Psychiatrische Klassifikationssysteme werden von mehreren Vortragenden kritisch kommentiert, und der Psychiater Eia Asen stellt seiner eigenen Zunft ein schlechtes Zeugnis für routinierte Diagnosen von „ADHS“ und ASS“ mit phantasieloser Verschreibung von Medikamenten aus. Für die Diskussion von alternativen Ansätzen, und vor allem deren Risiken und Grenzen, bleibt im Verlauf der CCC nicht viel Zeit. Ein Impuls, der wahrscheinlich von vielen Anwesenden geteilt wird, ließe sich zum Beispiel so zusammenfassen:

Begebt euch mit ratsuchenden Menschen auf Augenhöhe, verschont sie vor eurem Expertenwissen, und begleitet sie stattdessen genau dorthin, wo Probleme auftreten, und helft ihnen dabei, sich selbst zu helfen bzw. von Menschen mit ganz ähnlichen Herausforderungen helfen zu lassen.

Notiert im November 2018



© Thor Wanzek 2018-2020
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü