MiniMax-Interventionen - Thorheiten

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MiniMax-Interventionen

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Der u.a. als Therapeut und Berater tätige Psychologe Manfred Prior stellt Strategien vor, um Rat suchende Menschen durch sprachliche Neujustierungen zu motivieren, eigene Kompetenzen (wieder-) zu entdecken. Ausgangspunkt seiner MiniMax-Strategie ist seine Überzeugung: „Beratung hilft – nur! – dort, wo es zum generalisierten Problem Ausnahmen gibt.“

Zudem geht Prior davon aus, dass sich Menschen in der Regel erst dann auf den Weg machen, um Hilfe zu suchen, wenn das Schlimmste bereits überwunden ist; er geht also von einer grundsätzlich vorhandenen, d.h. ausbaufähigen Motivation seines Gegenübers aus. Darauf aufbauend, möchte Prior schon im Vorfeld eines ersten persönlichen Kontakts mittels sprachlich präziser Formulierungen gedankliche Sackgassen auflösen und die Ratsuchenden dazu bringen, eigene Erfolge zu erinnern und zukünftige Verbesserungen in Betracht zu ziehen. So setze er kleine „prä-therapeutische Suggestionen“ beim ersten Telefonkontakt ein, indem er (sinngemäß) frage:

- Was soll ich über Ihr Problem wissen?
- Was sind Ihre Ziele?
- Was haben Sie bereits getan?
- Bei 60 bis 70 Prozent der Menschen ergibt sich bis zum ersten Termin eine kleine Besserung. Welche kleine Besserung könnte bei Ihnen eintreten, bis wir uns zum ersten Mal sehen?

Im Beratungsprozess selbst empfiehlt Prior zielführende Fragen zu stellen (also keine Fragen, auf die sich mit „nein“ antworten ließe), z.B.: „Wann gab es das schon mal, dass Sie Sport getrieben haben?“

Auch sollten Fragen vermieden werden, die mit „ich weiß nicht“ beantwortet werden können (z.B. eine offene Frage wie „Was könnten Sie denn tun?“), und die somit weitere Frustrationen in Form von erlebter Inkompetenz provozieren. Grundsätzlich gehe es darum, das Erleben von Ausschließlichkeit sprachlich abzumildern. Das versuche er, indem er Wörter wie „immer“ oder „nie“ („Das geht immer schief.“, „Das bekomme ich nie hin.“) austausche und entsprechend nachfrage:

„Wie wirkt das Problem, wenn Sie sagen: Das geht meistens (oft / manchmal / …) schief?“

Zudem empfiehlt Prior, über Probleme in der Vergangenheit zu reden, um die Zukunft offen und gestaltbar zu lassen.
Beratung sei für ihn als Hypnotherapeut vor allem Zielformulierungshilfe. Je chronischer ein Problem, desto schwieriger gestalte sich für gewöhnlich die Zielformulierung. Dabei sei ihm kein Wort wichtiger als das Wort „sondern“, das wie kein zweites die angestrebte Veränderung (und die Motivation zur Veränderung) beim Ratsuchenden spiegele. Diese/r antworte häufig auf die Frage: „Was ist Dein Ziel?“ mit „Ich möchte nicht mehr...“ - und genau hier ergänzt der Berater / Therapeut das Wort „sondern“, um den Fokus auf ein erstrebenswertes Ziel zu richten und Motivation für selbiges zu wecken bzw. zu stärken.
Ein Ziel sei dann gut formuliert, wenn der Ratsuchende sagen könne: „Ich will / ich möchte...“ (statt „Ich muss...“ / „Ich sollte...“).
Sei ein solches Ziel gefunden, gelte es für den Beratenden, mit Ausdauer am Ball zu bleiben und immer wieder neue Fragen zu stellen, welche eine positiv motivierende Einstellung ermutigen.

Protokolliert im November 2018.

Weiterführende Literatur:



© Thor Wanzek 2018-2020
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