Sinnfindung im Wahnsinn - Thorheiten

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Sinnfindung im Wahnsinn

Texte > Artikel

„Mit den Impfungen wird so an uns experimentiert wie früher im KZ.“

Es heißt, Krisen ließen die Wesenszüge von uns Menschen deutlicher hervortreten. Dieser Theorie kann ich am Ende des vermeintlichen Krisenjahres 2020 unumwunden beipflichten. Es mag wohl kaum überraschen, dass mein Rückblick auf die hinter uns liegenden Monate ein ziemlich skeptisch-distanzierter ist. Gleichwohl ich vielfach erleben konnte, dass in Zeiten erzwungener sozialer Distanz der Wunsch zur echten Begegnung Menschen auf mitunter rührende Weise kreativ aufblühen lässt, gelingt es mir nicht, zahlreiche erschütternde Erfahrungen auszublenden. Kurz vor dem Jahreswechsel erlebte ich eine Vergegnung, die mir nahezu die Worte raubte. Hier nun ein Versuch, dennoch Worte zu finden für den Wahnsinn, der an jeden von uns die Frage richtet, ob und wenn ja was wir ihm Heilsames entgegensetzen können - oder ob wir ihn nicht selbst befeuern, auch durch gut gemeinte Impulse.

Der Vorwurf, zu wenig Verständnis für andere Menschen zu zeigen, wird mir selten gemacht. Eher heißt es, ich zeige zu viel Verständnis für Menschen mit fragwürdigen Ansichten und Handlungsweisen. Ich schätze, es handelt sich dabei einerseits um eine Berufskrankheit. Unter den teilweise Psychiatrie-erfahrenen Menschen, mit denen ich bis vor einigen Jahren arbeitete, befanden sich Persönlichkeiten, die sich selbst schweren Schaden zugefügt, zuweilen ihre Mitmenschen ins Krankenhaus geprügelt, mit zerstörerischer Absicht Feuer gelegt, Tiere gequält und getötet, oder pädophile Neigungen hatten. Verstehen zu lernen, wie diese Menschen sich selbst und ihre Umwelt erleben, ist Grundlage für eine Arbeit, in der es nicht selten darum geht, Würde wiederherzustellen - was je nach Grad der individuellen Menschen- und Lebensverachtung eine riesige Herausforderung darstellt. Andererseits bin ich als Anhänger des radikalen Konstruktivismus davon überzeugt, dass jegliches menschliche Denken und Handeln Sinn macht - weiß jedoch auch, dass es verflixt schwierig sein kann, jenen Sinn zu entdecken und nachzuvollziehen - ganz zu schweigen davon, ihn wertzuschätzen.

Aus der Sicht nicht weniger Menschen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis bringe ich zu viel Verständnis für Menschen auf, bei denen heuer nicht Verständnis gefragt sei, sondern Haltung, gleichbedeutend mit klarer Kante. Mit „Rechten“ gebe es nichts zu reden und zu diskutieren, und Verständnis hätten sie ebensowenig verdient, sondern einfach nur Ablehnung. FCK AfD. Differenzierung sei zwischen bürgerlichem Konservatismus und völkischem Rassismus überflüssig und vergebene Liebesmüh, mehr noch gefährlich. Wer mit solchen Menschen rede und ihnen dadurch Gehör verschaffe, der mache sich unweigerlich mit ihrer Agenda gemein, werde zum Türöffner für totalitäre Ideen und letztlich für Terror. Gut sei nur, wer totale Ablehnung praktiziere - und diese bestenfalls offen zur Schau trage, so die Überzeugung nicht weniger meiner Bekannten mit geisteswissenschaftlichem Studium und Lebenserfahrungen von mehr als drei Jahrzehnten. Ich erlebe mich angesichts solcher Haltungen oft als Außenseiter, doch da diese Wahrnehmung mein Leben durchzieht, ist das nicht sonderlich schlimm, sondern eben eine hinlänglich bekannte Erfahrung.

"Maskengläubig" oder "Covidiot" - die einzigen Optionen?

Haltung zu zeigen, wurde in 2020 allerdings noch wichtiger als zuvor. Und gleichwohl es einige neu auserkorene Anlässe gab, Haltung zu zeigen - zum Beispiel im Hinblick auf den vermeintlich von vielen von uns betriebenen „Alltagsrassismus“ - war und ist Haltung aktuell nirgendwo so dringend gefragt wie beim Umgang mit Covid-19 bzw. den in der Folge sozial konstruierten Maßnahmen. Bereits die - ebenfalls konstruierte - Sprache nötigt zur Positionierung hüben oder drüben: Entweder bei den Maskenträgern (den „Maskengläubigen“, wie Gunnar Kaiser sie unlängst nannte) - oder bei den Maskengegnern (den „Covidioten“, wie Saskia Esken sie nannte). Eine Positionierung dazwischen scheint kaum noch möglich bzw. von den selbstgerechten Verkündern ihrer je eigenen Wahrheit vorgesehen. Dabei gibt es für mich nach wie vor gute Gründe, den Nutzen von simplen Stoffmasken in Kindergärten und fundamental schlecht ausgestatteten Schulen in Frage zu stellen - was für mich in keinem Widerspruch dazu steht, dass ich ebenso gute Gründe habe, in beengten und schlecht gelüfteten Räumen eine hoffentlich halbwegs wirksame Schutzmaske zu tragen, die diesen Namen auch verdient.

Doch nun zur Vergegnung: Beim Laufen traf ich unlängst Manuel (Name geändert), der sich offenbar auch entschlossen hatte, in einem Kölner Park ein paar Runden zu drehen. Er lief mir entgegen, ich erkannte und grüßte ihn, spontan drehte er um, und wir liefen die nächsten Runden zusammen. Manuel und ich sind locker bekannt über einen gemeinsamen Freund. Ich weiß um seine Ängste und Schwierigkeiten angesichts der Masken-Verordnungen, habe bereits einmal erlebt, wie sich Manuel in eine Art Rederausch hineinsteigerte, bei dem er in schneller Abfolge Namen von Experten, Statistiken und Berichte aufzählte, die seine Wahrnehmungen untermaueren sollten. Manuel steht mit 38 Jahren mitten im Leben, und ist ein bisschen eigen, was mir ja prinzipiell eher sympathisch ist. So radelte er zum Beispiel in den Sommerferien von Köln aus einige Wochen durch mehrere Länder Mitteleuropas. Seinen Bewegungs- und Freiheitsdrang kann ich als Hobby-Läufer wohl ganz gut nachvollziehen. Das bislang Schlimmste an einer zweiwöchigen Präventivquarantäne war für mich nämlich, dass ich mich nicht (außerhalb des Balkons) an der frischen Luft bewegen und somit nicht Laufen gehen konnte.

"Die Maske schadet dir."

Warum wissen andere Menschen besser über mich Bescheid als ich selbst?

Auf mein Befinden angesprochen, schildere ich Manuel, wie unterschiedlich ich die Effekte eines bei Laufsportlern bereits vor Corona-Schutzmaßnahmen je nach Temperatur gängigen Multifunktionstuchs auf der einen und einer FFP-2-Maske auf der anderen Seite wahrnehme. Auch heute trage ich einen relativ dünnen Schlauchschal, den ich mir beim Laufen auf dem Bürgersteig über die Nase ziehe, eine FFP-2-Maske habe ich zusätzlich in der Hosentasche bei mir - für den Fall, dass ich auf dem Rückweg noch in einen Laden gehe. Manuel wundert sich, dass ich in der Schule und bei anderen Gelegenheiten eine FFP-2-Maske trage, obwohl ich im Alltag merke, dass ich nach einer gewissen Tragezeit offenbar schneller ermüde. Mich wundert, dass das nicht auch für Manuel auf der Hand liegt: Wenn solche Masken dazu beitragen, das Risiko für Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung zu verringern, dann trage ich natürlich gerade in engen und schlecht zu lüftenden Räumen eine Maske. Das sollte doch selbstverständlich sein? Manuel sieht das nicht so. Er vertritt die Ansicht, dass ich mir mit dem Tragen der Maske schade. Ich versichere ihm, dass ich das nicht so erlebe. Erst kürzlich bin ich dreieinhalb Stunden durchs Bergische gelaufen und habe mich dabei sehr wohl gefühlt. Mit einem gesundheitlichen Schaden wäre es mir sicher anders ergangen. Manuel weist auf Studien hin, die seiner Einschätzung nach belegen, dass Masken nichts taugen. Ich erkläre, dass ich mit so einigem im alltäglichen Umgang mit Schutzmasken nicht glücklich bin, doch angesichts der aktuellen Studienlage derweil wenig Zweifel daran habe, dass bestimmte Masken bei richtiger Trageweise helfen, Risiken zu verringern. Ob ich denn meine Maske immer korrekt an der Seite anfassen und nach dreieinhalb Stunden gegen eine saubere Maske tauschen würde, möchte Manuel nun von mir wissen. Nein, erkläre ich, wir alle wüssten doch, dass ein Umgang wie in einem Krankenhaus-OP niemandem von uns im Alltag gelinge. Manuel deutet mein Eingeständnis als Etappensieg in unserem Gespräch, das sich leider zur Diskussion auswächst. - Leider, weil ich mich eigentlich über Gesellschaft beim Laufen freue.

Angesichts der aktuellen Diskussionen in den Medien rund um das Thema „Impfung“, nähern wir uns laufenden Schritts einer sich bereits deutlich abzeichnenden Hürde an - doch welch ein Abgrund dahinter für Manuel liegt, ahne ich noch nicht. Dieser empfiehlt mir, keine Nachrichten mehr zu schauen, schließlich würden diese nur Angst verbreiten und Angst wäre ungesund. Stattdessen sollten wir alle mehr Vitamin D zu uns nehmen, und unser Immunsystem stärken, zum Beispiel durch Laufsport, oder indem wir Freunde treffen, denn auch soziale Kontakte wären für ein gesundes Immunsystem unerlässlich. Hier widerspreche ich Manuel nicht. Nach dem Laufen nehme ich ab und zu eine extra Portion Magnesium zu mir, und über Vitamin D habe ich - bei aller Skepsis meinerseits gegenüber Nahrunsgergänzungsmitteln - bereits einiges Bemerkenswerte gelesen. Davon abgesehen: Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Ich maße mir ja auch nicht an, erwachsene Menschen maßregeln zu wollen, wenn sie nach einem absolvierten Lauf ein zweites und drittes Bier auf den ersten „isotonischen Durstlöscher“ folgen lassen. Je länger ich jedoch Manuel zuhöre, umso mehr Angst bekomme ich um ihn. Sein Arzt habe ihm letztens eine psychische Erkrankung attestiert, wegen derer er keine Maske zu tragen brauche, erzählt er nicht ohne Stolz in der Stimme.

An Covid-19 erkrankt? - Selbst schuld!

Auch möchte Manuel wissen, ob ich  Covid-19 als gefährlicher erlebe als eine herkömmliche Grippe. Ich bejahe das und begründe meine Wahrnehmung mit mehreren mir persönlich bekannten Erkrankten, die während ihrer Erkrankung verhältnismäßig schlecht zurecht waren / sind als bei gängigen Formen von Grippe, und die teilweise über Monate hinweg mit Folgen zu kämpfen haben, nicht mehr arbeiten gehen können oder wiederholt krank werden. Doch solche Details möchte Manuel scheinbar nicht wissen. Das ärgert mich, und das sage ich auch. Ich frage den neben mir Laufenden, ob ihn meine Informationen nicht anregen könnten, das Ganze vielleicht ein wenig anders zu sehen. Doch anstatt empathisch darauf zu reagieren, dass ich von Covid-erkrankten Menschen berichte, denen es verdammt schlecht ging / geht, vermutet Manuel, diese Menschen hätten sich zuvor falsch ernährt und nicht genug für ihr Immunsystem getan: Zu wenig Sport, zu wenig Vitamin D, zu wenig soziale Kontakte... Ich merke, dass mein Ärger nicht schwindet.

Während er noch vor wenigen Minuten einer Nachrichtenabstinenz das Wort redete, fragt mich Manuel nun, wie ich denn die Berichte über die Impfungen in Folge der „Schweinegrippe“ hätte vergessen können? Bereits damals hätte Herr Drosten versagt, wie könnte ich jetzt bloß so etwas wie Hoffnung in die Impfung setzen? Meine Antwort erstaunt ihn: Ich erkläre, dass ich grundsätzlich davon ausgehe, dass wir Menschen aus Fehlern lernen. Und ähnlich wie er, würde ich zahlreiche kritikwürdige bis fehlerhafte Maßnahmen angesichts der aktuellen Herausforderungen erkennen. - Das ändere jedoch nichts daran, dass ich grundsätzlich davon ausgehe, dass Menschen, auch wenn sie sich im Großen und Ganzen oft ungeschickt anstellen, gewillt sind, aus Fehlern zu lernen und es besser zu machen. Und unabhängig davon, dass ich einer ganzen Reihe von Politikern, Experten und Entscheidungsträgern eine mitunter katastrophale, weil Menschen verachtende Sprache und entsprechende Maßnahmen vorwerfe, hege ich dennoch die Hoffnung, dass wir uns als Gesellschaft zusammenraufen, auch daraus lernen und rücksichtsvoll(er) miteinander umgehen. Manuel kann mir nicht folgen. Er ist überzeugt, dass wir quasi blind in den Abgrund laufen. „Mit den Impfungen wird so an uns experimentiert wie früher im KZ“, sagt er, während wir über die Wiese laufen. Neben uns auf der Wiese treiben Menschen Sport. Manche balancieren, einige duellieren sich mit Übungsschwertern, wiederum andere treiben an der frischen Luft Kraftsport, und etliche Menschen drehen ebenfalls per pedes oder auf dem Rad ihre Runden. Hinter dem Waldrand senkt sich die Sonne, während Familien mit ihren Kindern Richtung Parkplatz aufbrechen. „Mit den Impfungen wird so an uns experimentiert wie früher im KZ.“ - Der Satz hallt in mir nach wie etwas, das ich auf keinen Fall in mir haben möchte, das ich sofort wieder loswerden muss.

„Das kannst du nicht sagen“, bricht es mehr erschöpft als wütend aus mir heraus. „Das kannst du einfach nicht sagen, das geht nicht. Wir laufen hier in Freiheit gerade zusammen zwei Runden, und um uns herum bewegen sich viele Menschen ganz frei. Hier ist nichts wie im KZ.“ Ich merke, dass mir vor Fassungslosigkeit die Tränen kommen. Ich erinnere mich an die Aufzeichnungen des Psychologen Viktor Frankl über seine Zeit in verschiedenen Konzentrationslagern, die ich erst vor wenigen Monaten gelesen habe. Ich ringe nach Luft. Mein Verständnis für Manuel ist dahin. Seine letzte Äußerung hat es pulverisiert. Ich begreife es nicht. Manuel ist kein komplett überfordertes unreifes Mädchen, das in jungen Jahren zu seinen eigenen Ungunsten auf eine Bühne gelassen wurde, auf der es sich mit Anne Frank vergleicht und damit die eigene Unbildung herausposaunt. Manuel ist mehr als doppelt so alt, geht einer Arbeit nach, ist nicht auf den Kopf gefallen und wie gesagt ziemlich abenteuerfreudig. Wie kann ein solcher Mensch allen Ernstes so etwas sagen, während er sich nahezu frei durch Köln bewegen und im Park problemlos Sport machen kann? Anschließend zur Wohnung zurückradelt, an deren Tür keine Gestapo klopfen wird? Ich bin nach wie vor fassungslos - bei allem Verständnis für Kritik an Maßnahmen, die ich als eher skeptischer Zeitgenosse zumindest teilweise nachvollziehen kann. Doch es gibt Grenzen, hinter denen plötzlich alles ins unsagbar Absurde kippt. Wo mir der Boden für ein weiteres Gespräch entgleitet und ich nicht mehr diskutieren kann. Ja, ich kann es nicht mehr.

Experimente in Konzentrationslagern

Medizinisch experimentiert wurde im Nationalsozialismus vor allem an Menschen, die als „Ballastexistenzen“ bezeichnet wurden - Menschen, die von anderen Menschen ihrer Würde komplett und schonungslos beraubt wurden. Deren einziger Wert nach einer Ideologie größenwahnsinner Maßlosigkeit darin bestehen sollte, als „Menschenmaterial“ - als namenlose „Dinge“ - für Experimente zum Wohle der selbst ernannten „Herrenrasse“ zu dienen. Näheres dazu findet sich in den unbedingt lesenswerten wie verstörenden Büchern von Ernst Klee, dessen unermüdliche Recherche und Aufklärungsarbeit nicht hoch genug geschätzt werden kann.

Wie kann es sein, dass gegenwärtig Menschen in unserer Gesellschaft in ihren Ängsten so Maß und Mitte verlieren, dass sie sich nun in einem System wähnen, das dem Nationalsozialismus ähnelt oder gar gleicht? Wie kann es „funktionieren“, sich in solche Vergleiche hinein zu manövrieren - und nicht sofort zu merken, dass sie nicht nur nicht passen, sondern dass sie in einer Weise unangemessen sind, die Millionen von Opfern erneut die Würde zu rauben droht?

Als ich mich kurz darauf von Manuel, den ich noch bis zu seinem Fahrrad begleitet habe, verabschieden möchte, halte ich ihm den Fuß entgegen. So, wie es viele Menschen und vor allem auch Läufer dieser Tage machen, und wie ich es noch vor einigen Stunden mit meiner Schwester gemacht habe. Für mich eine Geste der Wertschätzung, für Manuel ein Affront: „Das mache ich nicht, das ist asozial“, poltert er los, „entweder ganz oder gar nicht!“ Auch meine ausgestreckte Faust lehnt er ab, eine Geste, die ich mit einigen Schülern, Freunden und Sportlern mache und mit der nicht nur für mich Respekt bekundet wird. Doch Manuel verausgabt sich in seiner Theorie der Asozialen - in die ich mich wohl für ihn als Maskenträger nun einreihe. Um die Situation nicht endgültig eskalieren zu lassen, nehme ich ihn kurz in den Arm - er merkt wohl, dass ich mich dazu durchringen muss. Dann gebe ich Fersengeld.

Zur Umarmung durchringen musste ich mich übrigens nicht, weil ich Angst vor einer Erkrankung hatte. Durchringen musste ich mich, weil ich nicht als asozial bezeichnet werden möchte - und weil ich heute neben dem Verständnis für Manuel auch viel von meinem ursprünglichen Respekt ihm gegenüber verloren habe. Wahrscheinlich hält sich Manuel trotz des ärztlichen Attests nicht für wirklich psychisch krank. Ich frage mich allerdings ernsthaft, ob er mittlerweile ein armer Irrer geworden ist - und welche Wege es geben mag, um die Ängste, die solchen Wahn befördern, zu reduzieren.


Nachtrag 1:

Angesprochen auf Vergleiche in der aktuellen Protest-Bewegung mit der Nazi-Zeit, erklärt der Anti-Diskriminierungsbeauftragte der Bundesregierung, Bernhard Franke, im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger (Bezahlinhalt, 29.12.2020): „Die Schamlosigkeit, mit der Menschen sich mit Widerstandskämpfern und Opfern der Nazi-Zeit vergleichen, sind besorgniserregend. Das ist nicht nur krude, geschichtsvergessen und egoistisch. Es ist auch der Versuch, den Diskurs in eine demokratiefeindliche Richtung zu verschieben. Es ist wichtig, dass das öffentlich thematisiert und scharf kritisiert wird.“


Literatur:





Nachtrag 2:

Ein Kollege wies mich unlängst auf Sarah Bosettis rhetorisch brillante Analyse der Aushöhlung unserer Sprache hin, in welcher sie entscheidende Fragen stellt: "Wenn wir uns schon wie Sophie Scholl fühlen, weil unser Tag nur so mittelgut läuft, wie sollen wir dann unser Gefühl nennen, wenn wir tatsächlich mal von Nazis hingerichtet werden? Wenn wir uns bei jeder vorübergehenden Infektionsschutzmaßnahme wie in einer Diktatur fühlen, wie nennen wir dann eine echte Diktatur?" - Danke, Frau Bosetti!


© Thor Wanzek 2018-2021
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü